Tanzschule Schwechat
 

Paso Doble

Zugehörigkeit: Latein
Takt: 2/4-Takt
Geschwindigkeit: ca. 62 Takte pro Minute
Kurse: Anfängerkurs, Bronzekurs, Silberkurs, Goldkurs, Goldstarkurs, VIP-Meeting

Tanzpaar Paso Doble


Der Paso Doble ist eine in Spanien und Frankreich entwickelte Darstellung des Stierkampfs mit Einschluss von Flamenco-Elementen. Die Dame stellt nicht den Stier dar, sondern das rote Tuch des Toreros (die Capa, engl. Cape), Herr und Dame bewegen sich also gemeinsam um einen imaginären Stier. Der Tanz erfordert große Präzision und einen durchgehaltenen starken Muskeltonus. Er ist charakterisiert durch Dominanz und Dramatik. Betontes Aufsetzen von Ferse und Ballen, rhythmische Gehschritte. Von französischen Tanzlehrern und Turniertänzern zu seiner jetzigen Form stilisiert. Als Stierkampf-Pantomime schon in den 20er Jahren bekannt; wurde in Paris choreographiert, daher französische Figurennamen. Seit 1959 im Turnierprogramm.
Musik: Ein flamencoartiger Marsch, bestehend aus einer Einleitung und zwei Hauptteilen mit genau festgelegten Höhepunkten; danach richtet sich die Choreographie (phrasiert). Am meisten gespielt: Espana Cani.
Charakter des Paso Doble: Der Herr (Torero): hochmütiger Stolz, kühne Entschlossenheit, Eleganz. Die Dame (Capa): selbstbewusste Distanz, große Wenigkeit und Geschicklichkeit. Keine Isolationstechnik, eiserne Disziplin, gravitätische Würde, intensive Anspannung der gesamten Muskulatur; typisch kurze, schnelle Bewegungen, kontrolliert gehaltene Posen. Der Paso Doble ist derjenige Lateintanz, bei dem am meisten Elemente aus den Standarttänzen eingebaut werden können (z.B. Linksachsen, Telemark, Telespin). Geschlossene Tanzhaltung, bei der die Arme durch den Körperabstand einen Kreis bilden. Reine Lateinpaare haben große Mühe, diese kreisförmige Armspannung beizubehalten und zur Führung zu nutzen. Ein wichtiger Punkt ist (z.B. beim Ansatz zum Telemark) das Absenken und Abdrücken vom Standbein.

Das monologische, das synchrone und das dialogische Tanzen sind gleichwertige tänzerische Ausdrucksformen dieser straff rhythmischen Musik. Die Auseinandersetzung zwischen Torero (Symbol der geistig-menschlichen Geschicklichkeit) und Stier (Symbol der tierischen Kraft) macht auch nur einen Teil des Stierkampfes aus. Es passiert ja auch beim echten Stierkampf schon eine Menge, bevor der Stier überhaupt in die Arena kommt, und es passiert noch viel mehr, bis der Torero in Kontakt mit dem Stier tritt. Viel Tänzerisches ist im Spiel, wenn der Torero sich ausführlich dem Publikum präsentiert, mit dem Publikum spielt, und wenn die Picadores und Banderillos den Stier umkreisen. Der Choreographie sind in diesem Sinne keine engen Grenzen gesetzt.
Der Paso Doble sollte so früh wie möglich geübt werden. Er ist eine Schule der Disziplin. Er schult den Muskeltonus von den Zehen bis zu den Fingerspitzen, und er schult Präsentation und Ausdrucksvermögen. Und während man in Rumba und Jive ziemlich viel Freiheit hat, muss man hier zählen bis zur Bewusstlosigkeit – und dabei höllisch aufpassen, dass man keine Marionette wird.

Typische Figuren: Sixteen, Flamenco Taps, Capa, Spreizsprung, Sur Place, Appell, Chasses

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Textquelle: Wörterbuch des Tanzsports, © 1990, Kastell Verlag GmbH, ISBN 3-924592-21-7